Fachgruppe EMISA der Gesellschaft für Informatik e.V.

Wednesday, 16 April 2014 10:07

Bisherige EMISA-Sprecher

emisa historie treffen 600

v.l.n.r.: Gottfried Vossen, Georg Lausen, Helmut Thoma, Heinrich Mayr, Andreas Oberweis, Mathias Weske

1979 - 1982 Heinrich C. Mayr
1982 - 1986 Bernd Meyer
1987 - 1990 Georg Lausen
1991 - 1994 Helmut Thoma
1994 - 2000 Gottfried Vossen
2000 - 2006 Andreas Oberweis
2006 - 2012 Mathias Weske
2012 - 2015 Manfred Reichert
seit 2016 Jan Mendling
Published in General
Wednesday, 16 April 2014 10:39

Georg Lausen - Meine Zeit als EMISA Sprecher

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (1987 – 1990)

Georg Lausen, Institut für Informatik, Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg

emisa historie lausen 400Seit wann ich Mitglied bin, kann ich nur in so weit rekonstruieren, dass ich von Juni 1987 bis Dezember 1990 Sprecher des Leitungsgremiums war und bis Dezember 1992 einfaches Mitglied im Leitungsgremium. Man kann daraus schließen, dass ich damals selbst ein bisschen überrascht war, zu der Ehre des Sprecherseins zu kommen, wo mir doch offensichtlich die EMISA-Historie fehlte. Ich will versuchen, dies rückblickend zu erklären in der Hoffnung, die damaligen Realitäten hinreichend korrekt wieder zu geben.

Entwicklungsmethoden für Informationssysteme und deren Anwendung ist damals so wie heute eine sehr weit gefasste Thematik, die Methoden des Einsatzes in der Praxis genauso wie formale Methoden im Bereich der Theorie umfasst. Die von EMISA 1979 in Tutzing ausgerichtete GI-Fachtagung Formale Modelle für Informationssysteme (Informatik-Fachberichte 21, Springer-Verlag) unterstreicht deutlich die thematische Breite. Schaut man sich die Themen der Beiträge und die Forschungsgebiete der Autoren und Autorinnen genauer an, so kann man feststellen, dass einmal das Wort „Formal“  ernst genommen wurde – einige Autoren und Autorinnen würde ich bedenkenlos der Theoretischen Informatik zuordnen, aber auch die Praxis mit Beiträgen gut vertreten war, die man heute im Bereich der Wirtschaftsinformatik sehen würde. Meine beiden Vorgänger im Sprecheramt, Heinrich C. Mayr und Bernd E. Meyer, beide Editoren des Bandes, haben so das generelle Spektrum von EMISA bleibend schön dokumentiert. Als die beiden EMISA-Gründer sich aus dem Leitungsgremium zurück zogen war nicht klar, in welche Richtung es weitergehen sollte - mehr Theorie- oder mehr Praxisbezug? Mit meiner Historie als Diplom-Wirtschaftsingenieur und langjähriger Arbeit am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Karlsruhe (TH) und  einigen Arbeiten zu formalen Entwurfsmethoden für Informationssysteme und auch zu deren praktischen Umsetzung  war ich dann wohl ein geeigneter Kompromisskandidat, dem man zutraute, beide Schienen von EMISA weiter zu pflegen und auszubauen.

Was ist dann in meiner Amtszeit passiert?  In Tutzing fand 1988 der Workshop Der Weg zum Modell beim Entwurf von Informationssystemen statt;  Beiträge gingen über formale Methoden, Terminologie, Sprachpragmatik, Teilautomatisierung der Modellierung bis hin zu KI-Methoden der Modellierung. Im Mitteilungsblatt Heft 12 findet man mehr zu diesem Workshop. Das Spannungsfeld zwischen Wissensrepräsentationstechniken der KI und Entwurfsmethoden für Informationssysteme auszuloten wurde dann der eigentliche Schwerpunkt meiner Amtszeit. Viele Entwicklungen in der KI, den Datenbanken und den Informationssystemen und auch den Programmiersprachen haben sich damals überlappt, ohne dass immer ernsthaft versucht wurde, sich gegenseitig zu verstehen oder überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Für den Bereich der Wissensrepräsentation und Modellierung wollte EMISA hierzu einen Beitrag leisten. Zusammen mit der GI-Fachgruppe 1.1.4 Knowledge Representation wurde eine Workshop-Reihe Information Systems and Artificial Intelligence ins Leben gerufen, innerhalb der dann 1990 in Ulm, 1992 in Ulm und 1994 in Hamburg Workshops abgehalten wurden (Lecture Notes in Computer Science 474 und 777, Informatik-Fachberichte 303, Springer-Verlag). In diesen Workshops boten sich vielfältige Chancen zu Diskussionen, insbesondere zwischen Vertretern der Beschreibungslogiken auf der einen Seite und Vertretern der Logikprogrammierung und konzeptuellen Datenmodellierung auf der anderen Seite. Aus heutiger Sicht sind einige dieser Diskussionen nach wie vor aktuell. Im Raume stand unter anderem die Frage nach der Möglichkeit einer Integration von Beschreibungslogiken und Regeln deduktiver Datenbanken, die erst in den letzten Jahren, mehr als 10 Jahre später, im Zuge der steigenden Popularität des Semantic Web mit Nachdruck und zielgerichtet weiter geführt wurde, gut dokumentiert in den W3C-Recommendations zu OWL, RDF und RIF.

Meine Amtszeit endete bereits 1990, so dass diese Entwicklung zwar unter dem Dach der EMISA lief, aber sicher nicht als Hauptanliegen gesehen werden kann. Helmut Thoma, mein Nachfolger, setzte EMISA dann wieder richtig auf die Spur und legte so die Basis für das weitere, hoffentlich noch lange dauernde erfolgreiche Leben dieser spannenden, nach wie vor die Theorie inspirierende und der Praxis nützende Fachgruppe der GI.

Freiburg i.Br,  im Juli 2010

Georg Lausen

Published in General

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (1994 – 2000)

Gottfried Vossen, Universität Münster

emisa historie lausen 400

Ich bin seit über 20 Jahren Mitglied in der EMISA, war bzw. bin von 1991 bis 2003 und erneut seit 2007 Mitglied im Leitungsgremium dieser Fachgruppe und war von 1994 bis 2000 deren Sprecher. Als ich diese Rolle von Helmut Thoma übernahm, war die EMISA über 2.000 Mitglieder stark und nicht nur die älteste, sondern auch eine der größten GI-Fachgruppen; ersteres ist sie noch immer. Mitgliedschaft in einer Fachgruppe wie der unseren lebt von der aktiven Teilnahme ihrer Mitglieder, und ich habe während meiner Zeit Sprecher versucht, die Mitglieder der EIMSA stärker in die Aktivitäten der Fachgruppe einzubinden. Das ist mir bestenfalls zum Teil gelungen, aber kleinere Erfolge gab es zu verzeichnen:

Ich habe schon im Herbst 1994 zusammen mit meinem Münsteraner Kollegen Jörg Becker das gemeinsame Treffens der GI-Fachgruppen 2.5.2 EMISA und 5.2.1 MoBIS in Münster veranstaltet, das wohl eines der größten jemals abgehaltenen Fachgruppentreffen war. Daraus ist als nachträglicher Tagungsband sogar ein Buch entstanden mit dem Titel Geschäftsprozessmodellierung und Workflow-Management, und das war seinerzeit ein zentrales Thema der Forschung (und Entwicklung) um Bereich Informationssysteme. Das Web war zu dieser Zeit ja noch in den Kinderschuhen, so dass man hier noch nicht an Dinge wie Web-basierte Modellierungswerkzeuge oder Web-basierte Kollaborationsplattformen dachte, aber die Entwicklung „weg von lokalen Systemen als Insellösungen in spezifischen Applikationen hin zu globalen Systemen, welche miteinander interagieren und in Kürze keine räumlichen Grenzen mehr kennen werden“ (so schrieb ich in meinem ersten Editorial zum EMISA Forum, Heft 1/1995) war bereits deutlich zu erkennen.

Im Editorial zu Heft 2/1995 veröffentlichte ich dann eine „Hitliste“ der Themen, welche die Fachgruppenleitung damals für die aktuellsten für die EMISA hielt; die ersten 10 Plätze (von seinerzeit 24) belegten die Themen

  1. Modellierung in soziotechnischen Systemen
  2. Workflow-Management, Objekt-Orientierung
  3. Qualitätsgewährleistung und –sicherung
  4. Ausbildung für den Informationssystem-Entwurf
  5. Metamodelle und Metamodelleirung, Entwurf und Entwicklung verteilter, insbesondere föderativer Informationssysteme
  6. Natürlich sprachlicher Entwurf
  7. Geschäftsprozessmodellierung und Reengineering
  8. Entwicklung von Multimedia-Anwendungen
  9. Formale Spezifikation von Informationssystemen
  10. Informationssysteme im Internet, Requirements Engineering

Einige dieser Themen würde man heute nicht mehr unter den Top Ten nennen, und die Reihenfolge der Aktualität hat sich sicherlich auch verändert; dennoch ist die Mehrzahl dieser Themen nach wie vor aktuell und keineswegs „abschließend behandelt“. So war z. B. schon im Herbst 1995 das Fachgruppentreffen dem Thema Requirements Engineering gewidmet; heute kann man sich auf diesem Gebiet zertifizieren lassen, was die Bedeutung des Themas unterstreicht.

Spätestens ab 1996 nahmen Internet und Web einen immer breiteren Raum in der thematischen Arbeit der EMISA ein. Im Herbst 1996 war das Fachgruppentreffen Informationsservern für das Internet gewidmet; wir beobachteten im gleichen Jahr mit großem Interesse das Aufkommen von Java als neuer Programmiersprache und erlebten den allmählichen Einzug des Internet in den Büroalltag sowie in Deutschland das Entstehen des BMBF-Programms Schulen ans Netz. Die damals erkennbaren Entwicklungen haben sich innerhalb weniger Jahre in alle Bereiche unseres täglichen Lebens ausgebreitet; das von mir zusammen mit Hansjürgen Paul erneut in Münster veranstaltete Fachgruppentreffen im Oktober 2003 stand dann bereits unter dem Thema Auf dem Weg in die E-Gesellschaft. Im Kontext der von mir veranstalteten EMISA-Tagungen und –Workshops möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass auch die heute fest etablierte jährliche Querschnitts-Tagung zum Thema Modellierung 1998 in Münster als kleiner Workshop ihren Ursprung hatte. Die „Modellierung“ hatte das Ziel, „Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Modellierungsansätzen der beteiligten Fachgruppen herauszufinden“ (Editorial zum EMISA Form Heft 2/1998); diesem ist sie bis heute treu geblieben.

Bereits im Editorial zum EMISA Forum 2/1996 habe ich angefangen, Surf-Tipps für das Web zu geben. Ich war damals gerade wieder ein paar Monate in Kalifornien gewesen und hatte mit ansehen müssen, wie dort bereits mit der für uns noch recht neuen (und für den Privathaushalt teuren) Technik umgegangen wurde. Ich habe diese Tipps einige Zeit später dann aber in ein Format gegossen, dass es heute noch gibt: Nunmehr im 11. Jahr (seit dem EMISA Forum Heft 1/2000) schreibe ich eine regelmäßige Kolumne im EMISA-Forum mit dem Titel „Für Sie gesurft“, an der sich einige Stationen der Entwicklung des Webs ganz gut nachverfolgen lassen. In der ersten Ausgabe wurde u. a. die Seite sunsite.informatik.rwth-aachen.de/Societies/GI-EMISA/ beschrieben, unter der die EMISA bis heute zu erreichen ist. Andere damals genannte Seiten wie www.arsdigita.com/ oder www.gifworld.com sind längst verschwunden oder ersetzt, wieder andere wie www.vldb.org oder www.stadtplan.net haben sich zu wertvollen Nachschlageseiten entwickelt. Wie ein roter Faden hat sich das Thema Suchen durch viele Ausgaben dieser Rubrik gezogen, denn neben Google gab und gibt es stets eine Vielfach von Ansätzen und Ideen, das Suchen im Internet so zu verbessern, dass die Intention des Nutzers noch genauer getroffen wird. Google selbst wurde in der zweiten Ausgabe der Kolumne erwähnt (EMISA Forum Heft 2/2000), aber zu der Zeit war der „Streit“, ob (freies) Suchen oder (vordefinierte) Portale der bessere Weg ins Web seien, der ja auch die Geschichte von Google und Yahoo! Von Anfang an begleitet hat, in vollem Gange. Dort war auch bereits vom Anonymisieren die Rede, von der Meinungsbildung im Internet (www.epinions.com), von Werkzeugen für den Bau von Web-Shops und von den Anfängen von XML (ja, auch dieses Sprachkonzept ist noch nicht sonderlich alt); Tim O’Reilly dachte bereits über das Verlegen elektronischer Bücher nach.

Vieles davon ist bis heute geblieben, wenn auch innerhalb von 10 Jahren in völlig veränderter Form (an Smartphones dachte ja noch niemand, wenngleich erste Browser für Handys gerade verfügbar wurden), aber ich denke, der EMISA ist es gelungen, diese Entwicklungen angemessen zu begleiten, zu kommentieren, zu hinterfragen und einer breiten Fach-Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Sinne gratuliere ich zum 30. Geburtstag und hoffe auf viele weitere fruchtbare Jahre.

 

Published in General

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (2001 – 2006)

Andreas Oberweis, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe

emisa historie lausen 400

Seit Anfang 1985 bin ich Mitglied der Gesellschaft für Informatik (GI). Anlass für den damaligen Eintritt in die GI war die geplante Teilnahme an einer EMISA-Tagung in Tutzing. Damals war es die Regel am Institut AIFB der Universität Karlsruhe (heute: KIT), an dem ich schon damals tätig war, dass man auf Dienstreisen nur dann Tagungsgebühren vollständig erstattet bekommt, wenn man sich durch Mitgliedschaft in der veranstaltenden Gesellschaft (hier: GI) den reduzierten Tagungsbeitrag gesichert hat. Und damals war es in der GI tatsächlich auch noch üblich, dass sich bei Veranstaltungen die Tagungsgebühren der GI-Mitglieder von den Tagungsgebühren der Nicht-GI-Mitglieder um ziemlich genau einen GI-Jahresbeitrag unterschieden haben. Insofern gab es bei Teilnahme an einer GI-Tagung einen erheblichen monetären Anreiz, auch Mitglied der GI zu werden, falls man es nicht bereits war. Heute ist dieser Anreiz meist nicht mehr gegeben, da die Ermäßigung der Tagungsgebühren für GI-Mitglieder im Allgemeinen nur noch sehr gering ist. Hintergrund ist, dass Tagungsveranstalter die Nicht-GI-Mitglieder nicht durch für diese Teilnehmergruppe unattraktive Tagungsgebühren abschrecken möchten. Das ist aus dem Blickwinkel der Tagungsveranstalter nachvollziehbar – für die Gesamt-GI (und ihre Fachgruppen) ist das aber durchaus problematisch zu sehen, da auf der anderen Seite der Anreiz zur Mitgliedschaft in der GI eben dadurch auch geringer wird.

Ab 1986 war ich wiss. Mitarbeiter bei Georg Lausen, der zunächst in Darmstadt Professor war und 1987 nach Mannheim wechselte. Von 1987 - 1990 war er EMISA-Sprecher und dadurch kam ich relativ früh auch mit administrativen Aufgabenstellungen der Fachgruppenleitung in Kontakt. Mehr noch: nachdem Georg Lausen 1990 das Sprecheramt an seinen Nachfolger Helmut Thoma weitergegeben hat, bin ich selbst 1992 in das Amt des Redakteurs des EMISA FORUM „gerutscht“. Damals fand gerade ein „Re-Launch“ des EMISA FORUM statt mit neuem Erscheinungsbild und regelmäßiger Erscheinungsform (2x jährlich). Traditionellerweise ist das Amt des EMISA FORUM-Redakteurs verbunden mit dem Amt des stellvertretenden Sprechers der Fachgruppe. Auch während der Sprecherzeit von Prof. Gottfried Vossen, der 1995 auf Helmut Thoma folgte, setzte ich die Redaktion des EMISA FORUM fort.

Nach Gottfried Vossen bin ich dann 2001 selbst EMISA-Sprecher geworden. Die Wahl fand in Linz/Österreich im Herbst 2000 am Rande des EMISA-Fachgruppentreffens statt. Das Amt des EMISA FORUM-Redakteurs konnte ich nach fast 10 Jahren mit 19 Ausgaben des EMISA FORUM an Prof. Mathias Weske abgeben, der damals gerade von Eindhoven auf seine derzeitige Professur in Potsdam gewechselt ist. Mein subjektiver Eindruck nach dem Wechsel war: die zeitliche Belastung des Sprechers ist erheblich geringer als die des EMISA FORUM-Redakteurs.
2001 startete auch der neue Web-Auftritt der EMISA unter der Adresse emisa.org, auf der seitdem auch das EMISA FORUM weitgehend vollständig digital bereitgestellt wird.

Aus der Zeit zwischen 2001 und 2006 gibt es daneben über folgende Aktivitäten im EMISA-Kontext zu berichten:

  1. Aufspaltung des damaligen Fachbereichs „Rechnergestützte Informationssysteme“ im Herbst 2001 in die beiden Fachbereiche „Datenbanksysteme und Informationssysteme“ sowie „Softwaretechnik“. Die EMISA gehörte fortan neben der Fachgruppe „Datenbanken“ und der Fachgruppe „Information Retrieval“ zum FB „Datenbanken und Informationssysteme“.
  2. Beteiligung der Fachgruppe an der FB-Tagung BTW 2001 (Oldenburg), BTW 2003 (Leipzig), BTW 2005 (Karlsruhe). Das Kürzel BTW stand ursprünglich für „Datenbanken in Büro, Technik und Wissenschaft“ und ist später „modernisiert“ worden zu „Datenbanken in Business, Technologie und Web“. Die BTW ist eigentlich die zentrale Tagung des FB „Datenbanken und Informationssysteme“. Bis heute ist es der EMISA aber nicht gelungen, nennenswerten Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung der Veranstaltung zu erhalten. Die BTW ist weiter in erster Linie eine reine Datenbanktagung geblieben, bei der die traditionellen Themen der EMISA aus verschiedenen Gründen bis heute nicht adäquat vertreten sind.
  3. Gemeinsame Veranstaltungen mit der inhaltlich benachbarten Fachgruppe MobIS (Modellierung betrieblicher Informationssysteme) im Fachbereich Wirtschaftsinformatik, z.B. das gemeinsame Fachgruppentreffen in Bamberg 2001.
  4. Fachgruppentreffen gemeinsam mit der Fachgruppe „Petri-Netze und verwandte Systemmodelle“ 2002 in Potsdam. Mit dieser Fachgruppe gab es in der EMISA schon seit vielen Jahren (und gibt es weiterhin) regelmäßig Kooperationen, unter anderem auch wegen zahlreicher Mitglieder, die in beiden Fachgruppen aktiv sind.
  5. Gründung verschiedener EMISA-Arbeitskreise zu (damals) aktuellen Themen, etwa „Entwicklung Web-Service basierter Anwendungen“ und „Enterprise Architecture“. Daneben hat die EMISA sich an der Gründung weiterer Arbeitskreise mit anderen Fachgruppen beteiligt.
  6. Etablierung der Tagungsreihe Modellierung, die 1998 in Münster ins Leben gerufen worden ist, 2001 in Bad Lippspringe bereits von insgesamt 7 GI-Fachgruppen gemeinsam veranstaltet worden ist und seitdem jährlich in wechselnden Formaten stattfindet. Traditionell gibt es hier eine starke EMISA-Beteiligung, zwischenzeitlich sind insgesamt 12 GI-Fachgruppen mit Bezug zum Thema Modellierung an der Veranstaltungsreihe beteiligt, und es ist sogar ein Querschnitts-Fachausschuss Modellierung in der GI gegründet worden.
  7. Fachgruppentreffen 2004 in Luxemburg mit Jubiläum „25 Jahre EMISA“.
  8. Fachgruppentreffen 2005 in Klagenfurt im Vorfeld der Int. Conference on Conceptual Modelling (ER 2005).

Zum Abschluss dieses kurzen Berichtes über meine Amtszeit als EMISA-Sprecher möchte ich aus meinem letzten Editorial im EMISA FORUM 2 2006 zitieren:

„Wie sieht mein Fazit der vergangenen 6 Jahre aus? Auf den ersten Blick ist sicher ernüchternd, dass die Mitgliederzahl der EMISA immer weiter zurückgegangen ist (dieser Trend hält seit 20 Jahren mehr oder weniger an). Die Gründe sind oft diskutiert und auch im EMISA FORUM angesprochen worden: das Generalthema "Entwicklungsmethoden für Informationssysteme" zersplittert immer weiter in Detailfragen und auch Modethemen, die der Markt vorgibt. Die traditionellen, großen Fachgruppen in der GI sind naturgemäß nicht besonders gut geeignet, um schnell auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Für diese Aufgabe gibt es in der GI die sog. Arbeitskreise, und bezüglich Neugründung von Arbeitskreisen ist die EMISA traditionellerweise sehr aktiv. Viele aktuelle Fragestellungen der Entwicklung von Informationssystemen beschränken sich nicht nur auf ein einzelnes Teilgebiet der Informatik, sondern erfordern die Kooperation mit anderen. Ich denke hier vor allem an Techniken des Software Engineering und des Knowledge Engineering, Methoden des Usability Engineering, ökonomisch-organisatorische Verfahren, aber auch an empirische Untersuchungen zu  gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien. Im Hinblick auf Interdisziplinarität ist die EMISA ebenfalls schon immer sehr aktiv und kooperiert regelmäßig in gemeinsamen Veranstaltungen mit den inhaltlich benachbarten Fachgliederungen der GI. Ein altes Thema ist auch die Einbindung der EMISA in die internationale Fach-Community. Neben der Zusammenarbeit mit Kollegen aus Österreich und der Schweiz kooperiert EMISA regelmäßig auch mit Fachkollegen aus anderen Ländern, etwa kürzlich bei der Veranstaltung AIM 2006  mit Kollegen und Kolleginnen aus Luxemburg und aus Frankreich. Es gibt aber sicher noch viel zu tun an dieser Stelle. Ein letztes Thema, das hier kurz angesprochen werden soll, ist die aktive Einbeziehung von Mitgliedern aus der Praxis in die Fachgruppenarbeit. Dies ist bekanntermaßen ein schwieriges Problem, da die Mitglieder aus der Praxis sehr viel genauer auf den direkten Nutzen achten müssen, den ihnen beim knappen Zeitbudget die Fachgruppenaktivitäten für die berufliche Tätigkeit bieten, als das Wissenschaftler an Hochschulen üblicherweise tun. Wünschenswert für das künftige Leitungsgremium ist, dass auch wieder Vertreter aus der Praxis gewählt werden, um deren Interessen bei der Themenauswahl und Gestaltung der Fachgruppenaktivitäten einzubringen.

Im Übrigen bin ich weiterhin davon überzeugt, dass die EMISA mit ihrem umfassenden thematischen Anspruch nicht nur eine Daseinsberechtigung sondern einen wichtigen Auftrag in der GI hat. Sie muss den Mitgliedern den inhaltlichen Zusammenhalt und Gesamtüberblick bieten, der bei zunehmender Spezialisierung der Themen in Kleingruppen ansonsten verloren geht.“

Published in General

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (2006 – 2012)

Mathias Weske, Hasso-Plattner-Institut, Potsdam

emisa historie lausen 400

Der Berichtszeitraum beginnt mit der Wahl des neuen Leitungsgremiums auf dem Fachgruppentreffen EMISA 2006 in Hamburg. Mit einigen wenigen Änderungen im Team erreichten wir eine gute Balance zwischen Kontinuität und „frischem Wind“. Hinzu kamen Andreas Gadatsch, Dominik Kuropka und Stefanie Rinderle-Ma; Gottfried Vossen kehrte nach einer Auszeit von einer Amtsperiode in das Leitungsgremium zurück.

Nach der Wahl setzte sich das neue Leitungsgremium zum Ziel, mehr über die Erwartungen und Wünsche der EMISA-Mitglieder zu erfahren. Dazu wurde ein Online-Survey mit mehr als zwanzig Fragen entworfen und in einem Webportal umgesetzt. Die Mitglieder der Fachgruppe wurden eingeladen, den Survey auszufüllen. Als Belohnung wurde unter den Teilnehmern ein iPod Touch verlost; insgesamt erreichten wir einen Rücklauf von 119 Fragebögen mit durchweg interessanten Antworten.

Bei der inhaltlichen Ausrichtung bildeten traditionelle EMISA-Themen wie Architekturen und Spezifikationen von Informationssystemen weiterhin den Schwerpunkt, aber auch aktuelle Entwicklungen wie Business  Process Management, Service-orientierte Architekturen und Web 2.0 fanden große Beachtung. Es wurden aber auch eher fachliche Ansätze wie Business-IT-Alignment oder Referenzarchitekturen genannt. Es freut mich zu sehen, dass fast dreiviertel der EMISA-Mitglieder (betrachten wir die Umfrageergebnisse als repräsentativ!) das EMISA FORUM häufig oder sogar fast immer lesen! Dieses Sonderheft enthält eine Aufbereitung der Umfrageergebnisse, die hier und dort durchaus zum Schmunzeln einlädt.

Die bei der Umfrage genannten Themen sind recht gut im Leitungsgremium vertreten, vor allem die Prozessthemen. Um auch die anwendungsbezogenen Themen voranzutreiben, haben wir die Tradition der gemeinsamen Fachgruppentreffen mit der GI Fachgruppe MobIS wieder aufleben lassen. Im Herbst 2007 fand daher unter der – sehr treffenden – Bezeichnung „Enterprise Modeling and Information Systems Architectures“ und deren – noch treffenderen – Abkürzung EMISA ein kombiniertes Fachgruppentreffen von EMISA und MobIS in St. Goar am Rhein statt. Viele werden sich gern an die tolle Lokation Burg Rheinfels oberhalb des nebligen Rheintals sowie an die spannenden Vorträge, Diskussionen und Gespräche erinnern.

Zu den bereits seit längerem bestehenden assoziierten Arbeitskreisen – hier sei insbesondere der sehr aktive Arbeitskreis „Geschäftsprozessmanagement mit Ereignisgesteuerten Prozessketten“ genannt – kamen neue EMISA-Arbeitskreise hinzu. Der Arbeitskreis „Entwicklung agiler, prozess-orientierter Informationssysteme“ adressiert einen Kernaspekt beim Entwurf von Informationssystemen: Flexibilität. Das Thema wurde bereits seit vielen Jahren aus akademischem Blickwinkel bearbeitet; trotzdem beobachten wir erst seit kurzem ein wachsendes Interesse der Praktiker an diesem Thema. Warum? Weil man die komplexen und wechselnden Anforderungen an heutige Informationssysteme nur mit angemessen modellierten, analysierten und realisierten Prozessen in den Griff bekommen kann. Der Arbeitskreis „Entwicklung digitaler Bibliotheken“ rundet das Arbeitskreis-Angebot der EMISA ab.

Ein wahres Hype-Thema ist seit einigen Jahren Web 2.0. Im Vordergrund stehen Plattformen, auf denen Anwender gern, häufig und aus freien Stücken ihre Beiträge einstellen. Auf diese Weise verbessert sich die Plattform – aus Sicht des Betreibers – quasi automatisch. Weil dies bei Sozialen Netzwerken, Online-Shops und beispielsweise Online-Auktionshäusern sehr gut funktioniert, ziehen heute auch Firmen entsprechende Ansätze in Betracht, um die interne Kommunikation zu verbessern und mehr Kundennähe zu erzeugen. Um diese Fragen zu diskutieren, stand das EMISA-Fachgruppentreffen 2008 in St. Augustin unter dem Titel „Auswirkungen des Web 2.0 auf Dienste und Prozesse“. Ein buntes Programm, mit Vortragenden von Universität bis Großkonzern hat Potenziale aufgezeigt, aber auch ein gewisses Maß an Vorsicht bei der praktischen Anwendung von Web 2.0-Technologien in Unternehmensanwendungen erkennen lassen.

Die Arbeit der EMISA wird immer auch von dem Leitungsgremium geprägt. Sehr schöne Synergien konnte die EMISA durch die gemeinsame Ausrichtung des EMISA-Fachgruppentreffens 2009 mit einer bekannten internationalen Konferenz gewinnen. Das Fachgruppentreffen fand am Rande der BPM’2009 in Ulm statt. Gleichzeitig wurde es – wie bereits 2007 – gemeinsam mit der Fachgruppe MobIS durchgeführt. Die Tagungen wurden unter anderem durch einen gemeinsamen Keynote-Vortrag eng miteinander verzahnt. Das Prozess-Thema wurde umfassend und komplementär angegangen, von der BPM akademisch-theoretisch, von der EMISA fundiert-pragmatisch.

Ich hatte oben bereits das positive Feedback der Mitglieder zum EMISA-FORUM erwähnt. Es wird nun bereits seit vielen Jahren in schöner Regelmäßigkeit publiziert und trägt zur Identität der EMISA maßgeblich bei. Neben den Berichten aus der Fachgruppe sowie wissenschaftlichen Beiträgen gibt es eine BPM-Kolumne, in der Neuigkeiten zum Thema Prozessmanagement vorgestellt werden. Besonders erwähnen möchte ich die Kolumne „Für Sie gesurft“ von Gottfried Vossen, die im Sommerheft 2009 bereits zum zwanzigsten Mal erschien! Die Hinweise auf interessante Webseiten sind nicht nur bei der Erstlektüre spannend, sondern auch, wenn man zurückblickt! Über die Jahre hinweg hat Gottfried Vossen mit seinen Beiträgen spannendes Material zur Evolution des Web für uns zusammengetragen – wir freuen uns auf noch viele weitere Ausgaben von „Für Sie gesurft“!

Vor wenigen Wochen fand die EMISA 2010 in Karlsruhe statt. Anlässlich des EMISA-Geburtstages hatte Andreas Oberweis die ehemaligen EMISA-Sprecher eingeladen. Dass fast alle Ehemaligen dem Ruf gefolgt sind, zeigt sehr beeindruckend die Verbundenheit mit der EMISA über teilweise mehrere Dekaden! Ich möchte mich im Namen der EMISA ganz herzlich bei Heinrich C. Mayr, Georg Lausen, Helmut Thoma und Gottfried Vossen für Ihr Kommen sowie bei Andreas Oberweis und seinem Team für die Organisation bedanken. Mein Dank gilt schließlich auch Peter Lockemann, der der EMISA in seinem Keynote-Vortrag eine Reihe von Hausaufgaben mit auf den Weg gab, die wir uns in der nächsten Zeit vornehmen werden; näheres dazu finden Sie im kommenden regulären EMISA FORUM, das die zweiten 30 Jahre der GI Fachgruppe EMISA einläuten wird.

Published in General
Wednesday, 15 February 2017 09:22

Manfred Reichert - Meine Zeit als EMISA Sprecher

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (2012 – 2015)

Manfred Reichert, Universität Ulm

emisa historie lausen 400

In der vergangenen Dekade durfte ich die Entwicklung der Fachgruppe aktiv mit gestalten und prägen, zuerst als ihr Stellvertretender Sprecher und Leiter der Redaktion des EMISA Forums (2007 – 2012), zuletzt in der Rolle als Fachgruppensprecher (2013 – 2015). Insgesamt waren diese Jahre sehr spannend für mich, so dass ich sie in meinem Erfahrungsschatz nicht missen möchte. Im Sommer 2015 habe ich mich aber entschieden, bei den EMISA-Wahlen im September 2015 nicht mehr für das Sprecheramt zu kandidieren. Man sollte ein Amt übergeben, wenn es am schönsten ist und die Zeit für neue kreative Köpfe gekommen ist.

Während meiner gesamten Amtsperiode wurde ich sowohl von den Mitgliedern der Fachgruppe als auch des Leitungsgremiums tatkräftig unterstützt. Besonders gefreut hat mich, dass wir während meiner Sprecherzeit alle Fachgruppentreffen im benachbarten Ausland veranstalten konnten. Diese breite Verankerung der EMISA-Fachgruppe spiegelt sich auch in der Zusammensetzung des neu gewählten Leitungsgremiums wider und ist für die Substanz der Fachgruppe sehr wichtig. Auch den Web-Auftritt der Fachgruppe (emisa.org) und ihren Umgang mit sozialen Medien haben wir während meiner Amtszeit modernisiert. Besonders viel Spaß hatte ich mit der Erstellung des Sonderhefts des EMISA Forums anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Fachgruppe.

Für die Zukunft wird es wichtig sein, noch mehr als bisher den wissenschaftlichen Nachwuchs einzubinden und zu fördern. Daher freue ich mich besonders, dass das Sprecheramt nun an Jan Mendling und Stefanie Rinderle-Ma übergegangen ist. Sie werden die Fachgruppe mit ihrer Tatkraft, Kreativität und Erfahrung bereichern und die in den nächsten Jahren anstehenden Aufgaben gemeinsam meistern. 

Bei diesen Worten möchte ich es belassen und halte es ganz mit Heinrich Heine: "Man schreibt nicht so ausführlich, wenn man den Abschied gibt."

 

Published in General

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (1979 – 1982)

Heinrich C. Mayr, Universität Klagenfurt

emisa historie mayr 400

Wie es begann

Ende der siebziger Jahre, die GI war gerade 10 Jahre alt geworden, bekannten sich immerhin rund 2000 Mitglieder zu ihrer Fachgesellschaft und dies großenteils sehr aktiv: Mitgliederversammlungen waren damals riesige Ereignisse mit Hunderten von Teilnehmern. Vor allem die Fachausschüsse (Fachbereiche wurden erst später eingeführt) konnten die vielfältigen Interessen und Aktivitäten ihrer Mitglieder organisatorisch nicht mehr ohne zusätzliche Strukturen bewältigen. So kam die Idee auf, Untergliederungen, genannt Fachgruppen, einzurichten, die sich jeweils einem engeren Themenbereich widmen sollten.

Die ersten Fachgruppengründungen erfolgten dementsprechend durch Fachausschussleitungen, die damals hauptsächlich aus Universitätsprofessoren und einigen Führungspersönlichkeiten aus der Praxis bestanden. Die heutigen Fachgruppen 2.1.1 und 2.5.1 sind ein Beispiel hierfür. Ihre Gründung verlief recht unproblematisch, waren die Promotoren doch durchwegs weithin bekannte Persönlichkeiten mit direktem Draht zum Präsidium.

Ganz anders im Fall der EMISA. Zum einen schien man damals im "Rat der Weisen" die über Datenbanksysteme hinausgehenden Belange von Informationssystemen noch nicht für sonderlich relevant zu halten. Das war ja auch für einen gestandenen "Praktischen Informatiker" ein eher schillerndes Gebiet, in dem einerseits nichttechnische, organisatorische und gestalterische Fragestellungen zu behandeln waren und in dem andererseits die Modellierung und die Methodik und nicht die Implementierung im Vordergrund standen.

Zum anderen kam die Idee zu einer hierauf ausgerichteten Fachgruppe "von unten", nämlich von zwei Assistenten, die sich auf einer Veranstaltung getroffen hatten – dem mir inzwischen zum guten Freund gewordenen Bernd E. Meyer, heute erfolgreicher Unternehmer und FH-Professor in Heilbronn, und mir. Er war seinerzeit Assistent bei Prof. Hans-Joachim Schneider in Berlin und ich war Assistent bei Professor Lockemann in Karlsruhe. Um es gleich und voller Dank zu sagen: ohne die massive Unterstützung dieser unserer "Chefs" hätten wir unsere Idee nie umsetzen können. Denn dass zwei Grünschnäbel eine derartiges Vorhaben in die "Professoren-GI" einbrachten, war damals noch reichlich revolutionär. Dementsprechend stark war auch die Gegenwehr des Präsidiums. Wenn ich mich recht erinnere, waren insgesamt fünf Präsidiumssitzungen erforderlich, bis unsere Fachgruppe endlich auch formal bestätigt und ein Name gefunden war, dem niemand mehr widersprach. Wir hatten zunächst die Bezeichnung "Formale Modelle für Informationssysteme" vorgeschlagen und dann "Methoden und Modelle für die Entwicklung von Anwendungssystemen". Irgendwann wurden wir aber kurzerhand par ordre de Präsidium in "Entwicklungsmethoden für Informationssysteme und deren Anwendung" kurz EMISA, umbenannt. Uns war das letztlich nicht so wichtig wie die formale Einrichtung der Fachgruppe, die damit endlich verbunden war.

Denn in der Zwischenzeit hatten wir schon einige Aktivitäten gestartet, insbesondere Veranstaltungen, die alle sehr erfolgreich waren: Allein zur Gründungsveranstaltung in Tutzing, damals noch im Tanzsaal eines alten Gasthofes mit knarrenden Dielen und urigem Ambiente, kamen über hundert höchst diskussionsfreudige Teilnehmer. Im Folgejahr wechselten wir dann in die Evangelische Akademie mit ihrem wunderbaren runden Auditorium, das Diskussionen geradezu automatisch entstehen ließ, konnte doch jeder jedem ins Auge sehen. Dazu kam die Lage unmittelbar am Westufer des Starnberger Sees, an dem und auf dem die Diskussionen fortgesetzt wurden. Ich erinnere mich noch an einen Abend, an dem wir – nach einem ausgiebigen bayrischen Buffet – bis weit nach Mitternacht um Carl Adam Petri saßen, begeistert von seinen feinsinnigen und in jedem Wort überlegten Ausführungen. Diese Veranstaltungen in der Evangelischen Akademie wurden in der Folge fast zur Tradition. Schade, dass die Kosten- und Terminsituation heute meist zu anderen Veranstaltungsorten zwingt.

Nicht aufgeben sollten wir aber die Tradition intensiver Diskussionen und insbesondere die von Anfang an verfolgte Strategie, in der EMISA Wissenschaftler und Praktiker zusammenzubringen. Informationssysteme kann man schließlich nicht im Elfenbeinturm planen, umgekehrt scheitert ihre Realisierung, wenn sie nicht mit fundierten Methoden geplant und implementiert werden.

Wo wir heute stehen

Immer wenn diese Integration von Theorie und Praxis besonders gut gelungen war, war auch der Mitgliederzuspruch am höchsten. Mit rund 2500 Mitgliedern zu ihrer besten Zeit war EMISA sogar schon einmal die zweitgrößte Fachgruppe der GI überhaupt. Aber auch heute ist sie mit ihren rund 1700 Mitgliedern immerhin noch an 4.ter Stelle. Wobei das Potential sicher noch größer wäre, wenn wir noch stärker auf die Interessen der ja mittlerweile mehrheitlich in der Praxis tätigen GI-Mitglieder eingingen und diese auch herausfordern würden. Hier scheint mir eine gewisse Alterung eingetreten zu sein – besonders jugendlich, unbekümmert oder gar provokativ, wie es einer zwanzigjährigen zukäme, sind wir derzeit nicht.

Auch haben wir in unserem Gebiet zwar einiges vorangebracht, unsere Hausaufgaben sind aber noch nicht erledigt. Im Vorwort zum Tagungsband der EMISA-Gründungsveranstaltung 1979 waren diese Aufgaben folgendermaßen formuliert:

"Die ständig wachsende Komplexität betrieblicher und soziotechnischer Informationssysteme berührt heute bereits die Grenzen unserer Planungskapazität. Ein formal abgesichertes Instrumentarium für die Planung, den Entwurf und für den Betrieb solcher Systeme ist daher unbedingt erforderlich. So werden z.B. Methoden zur Ermittlung der an ein Informationssystem zu stellenden Anforderungen gebraucht, ebenso formale Modellierungskonzepte zu seiner Beschreibung, Spezifikation und Analyse, schließlich auch Techniken zur Bewertung seines Verhaltens. Es gibt bereits eine ganze Reihe interessanter Ansätze zu diesem Instrumentarium ... Eine zusammenhängende Methodologie, die gleichzeitig allen Anforderungen der Praxis gerecht würde, existiert allerdings bislang noch nicht ..."

Mit einer etwas modernisierten Wortwahl könnte man diesen Text auch heute noch ganz gut als Einleitung eines Call for Papers zu einem Workshop oder einer Tagung verwenden: Zwar ist in der Zwischenzeit eine unüberschaubare Vielzahl von Modellierungs- und Darstellungskonzepten und Methodenansätzen in die Publikationsorgane gesprudelt, von einer umfassenden Konstruktionslehre für Informationssysteme sind wir aber immer noch weit entfernt.

mmerhin haben sich die damals bereits diskutierten Modellierungskonzepte inzwischen gefestigt und sie sind enger aufeinander abgestimmt worden: Heutige objektorientierte Modellierungsmethoden inklusive der Modellierungssprache UML verwenden zur Modellierung statischer Gegebenheiten die Konzepte des seinerzeit hochaktuellen und inzwischen in ungezählten Varianten um Abstraktionsbegriffe (Generalisation, Aggregation) u.a. erweiterten Entity-Relationship-Modells. Und sie leisten eine mehr oder weniger konsistente Integration mit Konzepten zur Modellierung dynamischer Aspekte wie endliche Automaten (heute als "state charts" getarnt) oder Transitionsnetze, die damals noch getrennt betrachtet wurden. Auch haben die vielfältigen Beiträge zur Metamodellierung, zum Wesen von Ontologien und zur Rekonstruktion von Modellierungsbegriffen in Orthosprachen das Verständnis der Modellierung an sich vertieft und ihr Instrumentarium erweitert. Und schließlich ist insbesondere im Zusammenhang mit UML ein wesentlicher Schritt in Richtung der für die Praxis so wichtigen Standardisierung erfolgt.

Allerdings scheint man auch bei UML wieder einmal der Versuchung nicht widerstehen zu können, jedes nur denkbare Detail zu berücksichtigen. Ein solches Vorgehen birgt aber die Gefahr nicht orthogonaler Konzepte, insbesondere wenn anwenderdefinierbare Erweiterungen möglich sind. Daß dies kein neues Problem ist, zeigt ein Blick EMISA Forum 1/88 in dem Helmut Thoma schrieb: "Methoden von allzu barocker Üppigkeit zu befreien, einen Kompromiß zwischen Korrektheit, Vollständigkeit, Verständlichkeit und sonstigen weiteren Faktoren zu finden, dem anvisierten Ziel möglichst nahe zu kommen: Dieses sind die Aufgaben der Praxis."

Wohin wir uns bewegen sollten

Hier scheint mir ein Ansatzpunkt für die weitere EMISA-Arbeit zu liegen: Wir sollten uns stärker in die Diskussion und Entwicklung neuer Standards einschalten und dies nicht anderen überlassen, die das meist aus einer viel engeren Perspektive tun.

Darüber hinaus sollten wir das Thema Modellierung viel massiver besetzen – auch in der Diskussion über entsprechende Lehrinhalte an Fachhochschulen und Universitäten. Dasselbe gilt für das Gebiet der Informationssysteme als Ganzes – EMISA-Empfehlungen für Hochschul-Curricula und Weiterbildungskurse kommerzieller Anbieter könnten hier einen wichtigen Akzent setzen.

Wir müssen die "Neue Medien" und die Globalisierung der Informationssysteme zusammen mit ihren Auswirkungen aus Modellierungs- und Methodensicht thematisieren, etwa durch EMISA-Veranstaltungen zum Thema XML, zum Thema Suchagenten und Schema-Standardisierung für den Zugriff auf beliebige Informationsbestände, zum Wiederaufleben des Information Retrieval auf globaler Ebene.

Um das zu erreichen, müssen wir junge Leute motivieren und ihnen auch den nötigen Freiraum schaffen – im Leitungsgremium, in neuen Arbeitskreisen. Wenn uns das gelingt, dann ist die EMISA blutjung und ich kann mich darauf freuen, in zwanzig Jahren wieder etwas zu ihrem Alter zu sagen – wenn ich selbst dann dazu noch in der Lage bin ......

Klagenfurt, im Juli 1999
Heinrich C. Mayr

Institut für Wirtschaftsinformatik und Anwendungssysteme
Universität Klagenfurt

Published in General
Wednesday, 16 April 2014 13:38

Helmut Thoma - Meine Zeit als EMISA Sprecher

Meine Zeit als EMISA-Sprecher (1990 – 1994): Überführung aus der Phase der Aufbruchs in eine verstärkt reglementierte Fachgruppe

Helmut Thoma, Basel

emisa historie lausen 400

EMISA aus der Sicht des Fachgruppen-Sprechers

1990 war ich nach dem Rücktritt von Georg Lausen als damaliger Sprecher der EMISA in der Funktion seines Stellvertreters zunächst kommissarisch und nach der Wahl eines neuen Leitungsgremiums von 1991 bis 1994 als Sprecher für die Führung der EMISA verantwortlich.

Ende der achtziger und anfangs der neunziger Jahre waren die Zeiten für die Leitung der EMISA – übrigens 1979 gegründet und damit eine der ältesten Fachgruppen in der GI – einigermaßen turbulent. Da in jener Zeit jedes Mitglied der GI mit der Bekanntgabe seiner Interessensgebiete automatisch der entsprechenden Fachgruppe zugewiesen wurde, für die er votierte, hatte die EMISA 1991 bei der Mitgliederversammlung in Marburg ca. 3700 Mitglieder. Bei dieser grossen Anzahl mussten wir aus Kostengründen die Erscheinung des Mitteilungsheftes einstellen; EMISA finanzierte bis Mai 1989 in lockerer Reihenfolge 12 Nummern aus dem Gewinn früherer Tagungen – dies ohne die Existenz von Internet, Word- oder PDF-Files.  

An der Mitgliederversammlung vom 11. April 1991 in Marburg wurde deshalb einstimmig beschlossen, einen jährlichen Mitgliedsbeitrag einzuführen, in dem auch die Kosten für das Mitteilungsblatt und für die Teilnahme an Fachgruppentreffen (nur für EMISA-Mitglieder zugänglich) enthalten waren. Als Folge davon traten dann etwa 1000 Personen aus EMISA aus, so dass wir ab 1992 mit etwa 2700 Mitgliedern und der Herausgabe von zwei Nummern des „EMISA FORUM“ jährlich und mit neuem Reglement weitermachen konnten. Das EMISA FORUM hat übrigens seine damals bestehende Form und Regelmäßigkeit des Erscheinens bis heute beibehalten.

Was habe ich EMISA in meiner Zeit als Sprecher gebracht? Ich lasse auf diese Frage meinen Nachfolger Gottfried Vossen sprechen, der ab 1995 Sprecher der EMISA war. Er führte in seinem Editorial zum EMISA FORUM 1995/1 aus, dass unter meiner Leitung EMISA als Fachgruppe reaktiviert werden konnte und dass das EMISA FORUM zu einem regelmässig erscheinenden und interessanten Mitteilungsblatt wurde. Ferner stellte er fest, dass durch zahlreiche Fachveranstaltungen – teils unter Mitwirkung anderer Organisationen – EMISA zu einer der aktivsten Gruppierungen innerhalb der GI geworden sei.    

Durch eine intensivierte Tätigkeit in der Schweizer Informatik Gesellschaft (SI) und durch neue Projekte in meiner Industrie-Praxis verlor ich ein wenig den Kontakt zu den Veranstaltungen von EMISA, nicht jedoch zu ihren Aktivisten. Ich gründete und leitete eine Fachgruppe in der SI, war von 1992 bis 1996 Präsident der SI und vertrat die SI bis 2007 im „Strategiekreis Informatik – i12“ (Arbeitskreis mit Spitzenvertretern von Informatik-Gesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz). Unter anderem traf ich auf Sitzungen manchmal auf meinen EMISA-Nachfolger Gottfried Vossen und den EMISA-Gründer Heinrich C. Mayr; sie als Repräsentanten der GI, ich als solcher der Schweizer Informatik Gesellschaft. Zudem war ich intensiv eingebunden in ein Projekt des Strategiekreises Informatik, die „Bildungsinitiative Neue Medien“. Die Frage war, der in diesem Projekt nachgegangen wurde: Wissen und Lernen – Was trägt die Informatik zum Unterricht bei? Ich bitte um Verständnis, dass ich deshalb nach dem hier betrachteten Zeitraum 1990 bis 1994 kaum mehr aktiv bei EMISA auffiel.

Themen, die damals bei der EMISA im Vordergrund standen

Die EMISA hatte sowohl Mitglieder aus der Informatik-Forschung und -Lehre an Universitäten und Fachhochschulen als auch aus der Entwicklung sowie der Anwendung von Systemen in der Informatik-Praxis. Somit sind die primären Interessen, das Wissen und das Verständnis eines Mitglieds nicht immer gleich wie diejenigen von anderen Mitgliedern. Meines Erachtens setzt jedoch die erfolgreiche Umsetzung von Entwicklungs-Methoden für Informationssysteme in die Praxis und deren Anwendung ein Verständnis für die methodischen Grundlagen voraus. Forscher und Lehrer sollten jedoch auch daran interessiert sein, ob ihre Ansätze und ihre Konzepte in der Praxis implementierbar sind. Ein gewisses Unbehagen von EMISA-Mitgliedern wurde jedoch mit dem Wunsch geäussert, dass der Praxisbezug für Werkzeuge, Methoden und Anwendungen nicht verloren gehen sollte.          

Es war im betrachteten Zeitraum bereits nicht ungewöhnlich, dass sich Mitglieder der EMISA an VLDB-, ER- und BTW-Tagungen aktiv beteiligten. Von 1990 bis 1994 hatten oftmals Tagungen und Workshops von EMISA – häufig auch zusammen mit anderen Fachgruppen – sowie Beiträge im EMISA FORUM Bezug zu folgenden Themen-Bereichen (einige Beispiele von Themen sind nachfolgend aufgeführt):

Zu neuen Paradigmen, z. B.

  • Neue Paradigmen in Informationssystemen und Datenbanken: Deduktion, Verteilung, Objektorientierung

Zur Objektorientierung, z. B.

  • Formale Modelle für Objektorientierte Datenbanken
  • Konzeptueller Entwurf von Objektsystemen
  • Objektorientierte Methoden für Informationssysteme
  • Spezifikation von Informationssystemen als Objektsysteme

Zur Benutzerorientierung, z. B.

  • Benutzerorientierung beim Entwurf von Informationssystemen
  • Unternehmensweite Modellierung von Anwendungssystemen
  • Softwareentwicklung und Simulation – eine integrierte Methodenkette
  • Konzepte zu Erweiterungen des Entity-Relationship-Modells

Zur System-Qualität, z. B.

  • Aspekte der Qualitätssicherung
  • Integritätszentrierter Datenbankentwurf
  • Formale Grundlagen für den Entwurf von Informationssystemen
  • Vorgehensmodelle und Methoden zur Entwicklung komplexer Softwaresysteme

Zur Künstlichen Intelligenz und zu Petrinetzen, z. B.

  • Informationssysteme und Künstliche Intelligenz
  • Petrinetze und Informationssysteme

Zu Geschäftsprozessen (ab 1994), z. B.

  • Modellierung von Geschäftsvorfällen und –prozessen
  • Management von Geschäftsprozessen

Für einige Fachgruppen-Treffen sind die Teilnehmerzahlen dokumentiert. So hatte das Fachgruppentreffen im Februar 1992 an der Universität Ulm zum Thema „Unternehmensweite Modellierung von Anwendungssystemen“ über 230 Teilnehmer.
Am Fachgruppentreffen im Oktober 1994 an der Universität Münster zum Thema Geschäftsprozesse nahmen über 200 Personen teil. Von den Fachgruppentreffen 1991 an der Universität Marburg und von 1993 konnte ich keine Teilnehmerzahlen mehr ermitteln; sie waren nach meiner Erinnerung aber auch von etwa 200 Teilnehmern besucht.

Sicht der Auswirkungen in die Praxis

Seit 1979 war ich nach Studium und Assistenzzeit in erster Linie in der Praxis tätig: Im IT-Bereich eines Chemie-Unternehmens, später in einem IT-Dienstleistungs-Unternehmen, beide weltweit aktiv. Meine Tätigkeiten in Informatik-Gruppierungen wie EMISA, GI, SI etc. sowie meine Lehraufträge an der Universität Basel etc. konnte ich nur dank des Verständnisses und des Entgegenkommens meiner industriellen Arbeitgeber durchführen. Somit war und bin ich nicht nur an der Forschung und den Konzepten der Informatik, sondern auch an deren Umsetzung in die Praxis interessiert.

Meine Erfahrungen in der Praxis arbeitete ich in einer Vorlesung für Studierende an der Universität Klagenfurt sowie in einem Beitrag zum Rundbrief WI-MAW (FB Wirtschaftsinformatik der GI), Heft 1/2010 auf. In diesem Beitrag zum Jubiläum von EMISA versuche ich, Feedback aus der Praxis für einige EMISA-Themen zu geben.

Man mag es kaum für möglich halten, aber die Prozesse für die Entwicklung von Applikations-Software sind auch nach Jahrzehnten von Schulungen und der Tätigkeit wissenschaftlicher Organisationen – z. B. von EMISA – bei ihrer Umsetzung in die Praxis noch immer problembehaftet.

Weshalb sollte eine Entwicklungs- oder Betriebsorganisation Prozeduren zur Verbesserung der Software-Qualität einleiten und aufrecht erhalten wollen? Meine Erfahrung zeigt hauptsächlich die Anforderung von wichtigen Kunden oder der Druck des Marktes als motivierende Gründe. Kaum ein Grund ist die Einsicht und das Wissen des verantwortlichen Managements, dass eine Verbesserung der Prozesse zur Applikations-Entwicklung und deren nachhaltige Umsetzung billiger seien, als mit der „angestammten“ Arbeitsweise weiterzufahren.

Ursächlich für Mängel beim Einsatz von Entwicklungs-Prozessen in der Praxis ist vielfach das Delegieren der operativen Zuständigkeit für die Software-Qualität an untergeordnete Organisations-Einheiten mit mangelhaftem Wissen, zu geringer personeller Ausstattung oder mit unklaren Verantwortlichkeiten. Jedoch sollte sich die Unternehmensleitung selbst für die Qualität verantwortlich fühlen und diese auch überwachen. Dies zeigt auch meine Erfahrung mit nicht erfolgreich und erfolgreich durchgeführten Projekten zum Erreichen des CMMI Maturity Level 5. Nicht die Frage eines verwendeten Prozessmodells ist entscheidend – ob beispielsweise phasenorientierte oder agile Methoden eingesetzt werden. Entscheidend ist, ob die Ziele und die Bedingungen eines Qualitäts-Standards erreicht und über den Zeitpunkt der Standardisierung hinaus auch eingehalten werden. Und hierfür sollte die Verantwortung hierarchisch hoch angesiedelt werden. Selbstverständlich müssen auch notwendige Fachkenntnisse der Entwicklungsprozesse, deren Anwendung und die Dokumentation ihrer Ergebnisse für alle betroffenen Mitarbeiter geschult und auf aktuellem Stand gehalten werden.

In Projekt-Gruppen bei Informatik-Projekten gehen Menschen miteinander um. Die Ergebnisse der Arbeit werden somit auch in der Informatik wesentlich beeinflusst durch nichtsprachliche Anteile der Kommunikation, durch Sympathie oder Antipathie zwischen Mitgliedern eines Teams. Konstruktives Miteinander und destruktives Gegeneinander haben nicht selten einen entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe. Es ist erwiesen, dass die Kommunikation in einem Team sprachliche und nichtsprachliche Anteile enthält; manchmal kann eine Nachricht ein einziger Blick, ein einziges Wort sein. Die eigentliche Botschaft einer Nachricht ist somit nur ein Teil der Kommunikation. Implizit in einer Nachricht enthaltene persönliche Selbstdarstellungen sowie die Einschätzung der persönlichen Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern ist häufig der bedeutsamere Teil einer Nachricht.

Jedes Arbeitsteam definiert durch das Verhalten zwischen den Mitgliedern automatisch eine Struktur. Wir müssen dabei die formale Struktur mit formalen Beziehungen (z.B. Unterstellungsverhältnisse) von der informellen Struktur mit den informellen (z.B. emotionalen) Beziehungen unterscheiden. Für das Verhalten der Individuen in einer Gruppe oder Teilgruppe sowie zu Mitgliedern einer anderen Gruppe sind die Qualität (z. B. Sympathie, Antipathie) und die Stärke der Beziehungen massgebend.

Interessant und für Manchen erschreckend ist, dass eher die informellen Strukturen das Verhalten der Gruppenmitglieder und damit den Erfolg einer Teamarbeit bestimmen. Meine Erfahrungen mit Projektgruppen reichen von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit hervorragenden Ergebnissen bis zu einer Projektgruppe, in der derart zerstrittene Mitglieder das ganze Projekt „an die Wand“ fahren konnten.

Ich begrüsse deshalb sehr, dass EMISA nach meinem Einsatz als Sprecher auch sozialwissenschaftliche Themen und Fragen des Managements aufgriff.

Published in General
 

Aktueller Newsletter

Twitter

EmisaFachgruppe
EmisaFachgruppe Der neue EMISA Newsletter (1/2017) ist online! Direkt beziehen unten: emisa.org/index.php/publikationen/emisa-newsletter/item/74-2017-1-newsletter
08.02.2017, 20:12
EmisaFachgruppe
EmisaFachgruppe EMISA 2017 is waiting for your submissions. June 12-13, 2017 Essen, Germany See: www2.informatik.hu-berlin.de/emisa2017/
02.02.2017, 10:22
EmisaFachgruppe
EmisaFachgruppe Das neue EMISA Forum 36 Heft 2 (Dezember 2016) ist online! bit.ly/2iLMXDR #EMISA
05.01.2017, 13:25